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Eine Methode für alle Fälle. 2. Wissenschaftliche Vergleiche

Im letzten Artikel hatte ich ein paar Beispiele für alltägliche Vergleiche angeführt: Wer beispielsweise einkauft, vergleicht. Auch Wissenschaftler vergleichen – und zwar nicht nur, wenn sie einkaufen.

Wissenschaftler vergleichen, wenn sie bei der Arbeit sind, wenn sie also wissenschaftliche Aussagen produzieren. Dabei spielt die Unterschiedung zwischen Natur-, Geistes-, oder Sozialwissenschaftler keine Rolle: Was sie alle eint, ist das Bemühen um wissenschaftliche Aussagen; das sind Aussagen, die sich – unter anderem – durch Objektivität, Reliabilität und Validität auszeichnen sollen. Ob eine Aussage wissenschaftlich ist, ob sie also objektiv, reliabel und valide ist, können wir überprüfen, wenn wir vergleichen:

Objektivität“ bezeichnet das Ausmaß, in dem mehrere Prüfer bei der Untersuchung desselben Gegenstandes übereinstimmen.[1] Ob Übereinstimmung vorliegt und ob derselbe Gegenstand untersucht wird, erkennt man durch die Vergleichsmethode.


Reliabilität“ bezeichnet das „Ausmaß …, in dem wiederholte Messungen eines Objektes mit einem Meßinstrument die gleichen Werte liefern.“[2] Ob die Messungen die gleichen Werte liefern erkennt man durch die Vergleichsmethode. Und eine Messung ist nichts anderes als die Anwendung der Vergleichsmethode.


„(Interne) Validität“ bezeichnet das Ausmaß, in dem Veränderungen der abhängigen Variable ausschließlich durch Veränderungen der unabhängigen Variable bedingt sind; Störeinflüsse also ausgeschlossen werden können.[3] Eine Veränderung, d.h. die Ungleichheit eines Gegenstandes zu zwei Zeitpunkten, erkennen wir durch die Vergleichsmethode.

Ohne die Vergleichsmethode ist auch wissenschaftliches Arbeiten nicht möglich. Und der Einsatz der Vergleichemethode beschränkt sich nicht auf die Feststellung der drei Gütekriterien: Jeder Naturwissenschaftler, der eine Messung durchführt, vergleicht. Und etliche Wissenschaften führen die Methode schon in ihrem Namen, z.B. die  Vergleichenden Literaturwissenschaften oder die Vergleichenden Rechtswissenschaften.


Fortsetzung folgt! Im nächsten Beitrag: „denn sie wissen nicht, was sie tun …“

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[1] Vgl. Häcker, H., Objektivität, 1998, S. 589.

[2] Schnell, R./Hill, P. B./Esser, E., Methoden, 1999, S. 145.

[3] Vgl. Bay, R. H./Lück, H. E., Forschungspraxis, 1981, S. 50.

Eine Methode für alle Fälle. 1. Alltägliche Vergleiche

Heute schon verglichen? Vermutlich schon. Und zwar gerade jetzt: Denn wenn man liest, vergleicht man Buchstaben in Hinsicht auf deren Form und Größe.

Wer uns wirklich durchs Leben begleitet, ist nicht unser Partner, der Hund oder der Arbeitgeber, sondern es ist eine Methode, die sich „Vergleich“ nennt. Ohne Vergleich erkennen wir keine Gemeinsamkeiten (z. B. zwischen uns und unserem Partner) und keine Unterschiede (z.B. zwischen uns und unserem Hund). Deshalb hat nicht nur Ihr Partner oder Ihr Hund ab und zu mal Aufmerksamkeit verdient, sondern auch der Vergleich.

Wir vergleichen nicht nur wenn wir lesen, sondern auch, wenn wir:

1. einkaufen. Wir vergleichen verschiedene Produkte bzw. Dienstleistungen in Hinsicht auf den Preis, die Kalorien, Fettgehalt, Prestige. Gut, manche verbringen keine 5 Minuten, um gewissenhaft die Zutatenliste zu studieren, sondern gehen einmal durch den Gang und schaufeln in den Einkaufswagen, was ihnen halbwegs brauchbar erscheint. „Aber“, so würde der Wirtschaftswissenschaftler mit Hinweis auf den Homo oeconomicus einwenden, „auch diese Menschen haben verglichen, nämlich Kosten und Nutzen der Informationsaufnahme. Und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sich ein genaueres Hinsehen nicht lohnt.“ Aha.


2. den Schuldigen suchen. Wenn wir die Ursache bzw. den Verantwortlichen für irgendetwas suchen, z.B. für eine schlechte Note, dann kommen wir um das Vergleichen nicht herum: Wir vergleichen unsere bisherigen Prüfungsergebnisse mit der jetzigen („Ich hatte bisher immer 5 Stunden für eine Prüfung gelernt und das hatte bisher immer für eine 2 gereicht!“), wir vergleichen uns mit Anderen („Ich war bislang immer besser als der da!“), wir vergleichen Andere unter einander („Bei allen anderen Prüfern hatte ich bislang ne 2, nur bei Ihnen nicht!“) und haben dann schnell den Verantwortlichen gefunden („Sie sind dran schuld! Und nur Sie allein!“) Inzwischen ist ein ganzer Forschungszweig der Sozialpsychologie um dieses Thema, die sogenannte Kausalattribution, herumgewuchert.


3. zur (Hoch-)Schule gehen oder arbeiten. (Eines vorweg: Das „oder“ soll hier nicht ausschließenden Charakter haben: Natürlich kann man zur Uni gehen und zugleich arbeiten. Lernen & Lehren ist Arbeit.) Was vergleicht man an der (Hoch-)Shcule? Zum Beispiel vergleicht man als Lehrender die Leistungen der Schüler bzw. Studierenden: Was sollten sie wissen (Soll-Zustand)? Und was wissen sie wirklich (Ist-Zustand)? In den meisten Fällen gibt es da einen Unterschied … . Oder man vergleicht die Lehrenden: Wer ist der Beliebteste? Wer macht den spannendsten Unterricht? Bei wem kriegt man ganz easy eine gute Note?


Drei Beispiele sollten für den Anfang genügen.  Ergänzen konnte man die Liste noch durch Hochschulrankings (Vergleich von Hochschulen), Vergleich von Arbeitgebern, Ehepartnern und Geliebten, Parteien, Urlaubszielen, usw.

Wo auch immer Sie sind, was auch immer Sie tun – Sie vergleichen. Der Vergleich ist: eine Methode für alle Fälle.

Fortsetzung folgt! Im nächsten Beitrag: Wissenschaftliche Vergleiche.

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Was ist das Objekt der Architekturgeschichte?

1. Objekt der Architekturgeschichte ist das Bauwerk als visuelles Objekt.

Die Architekturgeschichte untersucht Entstehung, Geschichte, Konstruktion, Besitzverhältnisse etc. von Bauwerken. Wirft man einen Blick in die Fachzeitschriften und Bücher, verfolgt man die Diskussionen und die Seminare im Fach Architekturgeschichte ( bzw. Baugeschichte), so fällt eines auf: Die Diziplin, deren Forschungsgegenstand die Bauwerke und deren Tätigkeit das wissenschaftliche Studium dieser Bauwerke sein soll, beschränkt sich weitgehend auf das Bauwerk als visuelles Objekt. Es ist das Bauwerk als visuelles Objekt, dessen Entstehung, Geschichte etc. untersucht wird. Vergleiche das Zitat aus dem Wiki-Artikel “Architekturgeschichte“:

Idealitär geht die Architekturgeschichte zunächst von einer Bauanalyse aus, ohne den historischen Kontext unmittelbar zu berühren. Das heißt, dass man zunächst beschreibt und beurteilt, wie an Bauten mit Material, Konstruktion, Funktion, Raum, Dekoration, Farbe etc. umgegangen wird. In dieser Phase spielt die Bauforschung eine bedeutende Rolle (Petzet /Mader): Sie leistet die zeichnerische und photographische Dokumentation eines Gebäudes mit allen seinen Teilen und bedient sich ferner diverser analytischer Methoden der Datierung.

Die Architekturgeschichte schränkt ihre Aufmerksamkeit auf die Eigenschaften ein, die man mit den Augen wahrnehmen kann:

Mit den Augen wahrnehmbar sind die Eigenschaften der Ausdehnung eines Bauwerkes ( Länge und Breite und Höhe) und seiner Teile sowie die Farbeigenschaften ( Farbton, -sättigung, Helligkeit).

Die meistgenutzten Medien der Architekturgeschichte sind Text und Abbildung sowie gelegentlich das Modell.

  • Ausdehnung des Bauwerkes und der Bauteile in den Dimensionen Höhe und Breite. Diese visuellen Eigenschaften werden – mit Hilfe der Fachterminologie – in der Form eines Textes beschrieben ( “Baubeschreibung”) und in der Form von Abbildungen gezeigt (“Ansicht” oder “Schnitt”).
  • Ausdehnung eines Bauwerkes und der Bauteile in den DImensionen Länge und Breite. Diese visuellen Eigenschaften  werden ebenfalls beschrieben und gezeigt (“Grundriss”).
  • Gelegentlich werden Modelle verwendet, die die wesentlichen visuellen Eigenschaften von Höhe, Länge und Breite proportional verkleinert wiedergeben.
  • Die Farbe – als eine weitere visuelle Eigenschaft – spielt eine untergeordnete Rolle.
GroB St. Martin

GroB St. Martin

In der Auswahl dieser Medien drückt sich einerseits die Beschränkung der Architekurgeschichte auf die visuellen Eigenschaften aus. Zum andererseits erschweren bzw. verhindern diese Medien eine Hinwendung der Aufmerksamkeit auf die nicht-visuellen Eigenschaften.

2. Ein Bauwerk ist mehr als ein visuelles Objekt. Diese nicht-visuellen Eigenschaften eines Bauwerkes spielen bei der Planung, der Errichtung und Erhaltung und bei der Nutzung eine entscheidende Rolle.

Wenn man ein Wohnhaus plant, dann macht man sich nicht nur Gedanken über die visuellen Eigenschaften, also über die Grosse der Zimmer, die Haus- und Wandfarbe, sondern man zieht auch die nicht-visuellen Eigenschaften in die Uberlegungen ein:

  • das Haus soll im Sommer nicht zu warm, im Winter nicht zu kalt sein (Temperatureigenschaften).
  • die Aussenwände, der Boden, die Treppe sollen gut gegen Schall gedämmt sein (akustische Eigenschaften).
  • Dunstabzüge, Belüftungssysteme, sollen helfen, die Ausbreitung unangenehmer Gerüche zu vermeiden (Olfaktorische Eigenschaften).
  • Manche Oberflächen, z. B. im Bad oder der Küche, sollen glatt sein, damit man sie gut reinigen kann. andere sollen dagegen flauschig sein, z. B. Teppichboden im Wohnbereich (Taktuelle Eigenschaften).

Solche Überlegungen werden nicht nur bei der Planung eines Wohnhauses angestellt, sondern bei der Planung aller Bauwerke. Niemand möchte eine Oper mit schlechter Akustik, eine lärmerfüllte Bibliothek oder ein frostiges Schwimmbad.

Warum? Weil wir nicht nur Augen haben, sondern auch noch Ohren, Nase, Haut. Und mit diesen Sinnesorganen nehmen wir – genauso wie mit den Augen – rund um die Uhr unsere Umwelt wahr.  Wir Können unsere Wahrnehmung nicht abschalten.

Wenn die Umwelt, die wir dauernd wahrnehmen, zu kalt oder zu heiss, zu gross oder zu klein, zu laut oder zu leise ist, fühlen wir uns nicht wohl.  Was machen wir ? Die natürliche Umwelt, also Sonnenschein, Wind, Klima, etc. können wir nicht ändern. Wir können aber ein Bauwerk errichten, d.h. eine künstliche Umwelt schaffen.  Wir können selbst bestimmen, was wir wahrnehmen und was nicht: ob wir helle oder dunkle Farben sehen, ob wir Kälte oder Wärme spüren, ob wir Stille oder Lärm hören. Da wir nicht nur mit einem, sondern mit allen Sinnen wahrnehmen, wollen wir auch eine Umwelt, die nicht nur das Auge, sondern auch das Ohr, die Nase, die Haut, kurz: alle Sinne berücksichtigt.

3. Die Beschränkung der Architekturgeschichte auf die visuellen Eigenschaften hat negative Konsequenzen.

3.1 Die Beschreibung eines Bauwerkes ist unvollständig.

Die Beschreibungen der Architektur- und Baugeschichte sind unvollständig, weil nicht alle, sondern nur die visuellen Eigenschaften des Bauwerks berücksichtigt werden. Selbst wenn man nicht alle, sondern nur die wichtigsten Eigenschaften beschreiben will, so bedeutet das nicht selbstverständllich, sich nur auf die visuellen Eigenschaften zu beschränken.  Vor allem sollte man sich im Klaren sein, weshalb man eine bestimmte Eigenschaft als wichtiger als eine andere bewertet: allein aus Gewohnheit heraus? Weil wir in einer Kultur leben, in der das Visuelle dominiert?

3.2 Das Verständnis des Bauwerkes ist unvollständig.

Wenn die Menschen, die das Bauwerk geplant, errichtet und genutzt haben, bei ihren Überlegungen nicht nur die vusllen, sondern auch die nicht-visuellen Eigenschaften berücksichtigt haben, dann können wir deren Handeln nur bruchstückhaft verstehen, wenn wir uns allein auf die visuellen Eigenschaften beschränken. Dass eine bestimmte Bauform oftmals einen Kompromiss darstellt zwischen den einander widerstreitenden Anforderungen an die visuellen und an nicht-visuellen Eigenschaften (Beispiel: je grösser ein Zimmer, desto schwieriger ist es zu heizen), kann man nicht begreifen, wenn man seine Aufmerksamkeit nur auf die visuellen Eigenschaften beschränkt.

3.3 Die Architekturgeschichte reproduziert durch ihre Beschränkung auf die visuellen Eigenschaften des Objekts die Dominanz des Visuellen in unserer Kultur.

Das heisst: Die Architekturgeschichte trägt ihren Teil dazu bei, dass visuellen Eigenschaften viel, anderen Eigenschaften wenig Aufmerksamkeit zuteil wird. Sie lenkt die Aufmerksamkeit der Leser, der Studierenden, letztlich der gesamten Disziplin nicht auf die Wahrnehmung nicht-visueller Eigenschaften, sondern belässt alles beim Alten, belässt es beim starren Blick auf das Visuelle. Die Architekturhistoriker hinterfragen nicht, warum sie selbst sich auf lediglich die visuellen Eigenschaften beschränken ( warum nicht auf andere, warum überhaupt beschränken?).

5. Forderungen

5.1 Erfassung des gesamten Bauwerkes als visuelles und nicht-visuelles Objekt

5.2 Reflexion über den Beitrag der Architekturgeschichte – allgemeiner: der Kunstgeschichte und der Wissenschaft – zur Reproduzierung der Dominanz des Visuellen in unserer Kultur.

Visueller Reduktionismus

Einleitung

Der Mensch verfügt über mehrere Sinne: Hören, Riechen, Schmecken, Sehen, Tasten etc. Diese  Sinne  werden in unserer Kultur nicht als gleichwertig, nicht als gleichwichtig angesehen. Der Sehsinn gilt als wichtigster Sinn, gefolgt vom Hörsinn, dahinter vermutlich der Tastsinn und die übrigen Sinne.  Diese Höherbewertung des Visuellen kann man als “Dominanz des Visuellen” bezeichnen.  Diese Ungleichbewertung, die Höherbewertung des Visuellen zeigt sich einer Tendenz, nicht-visuellen Phänomenen visuelle Eigenschaften zu unterstellen. Diese Reduzierung auf das Visuelle nenne ich „Visuellen Reduktionismus“.

“Visueller Reduktionismus” meint die Position, dass nicht-visuelle Phänomene auf visuelle Eigenschaften reduziert werden können.

Ein Beispiel für diese Position ist die Annahme,  ein Ton sei “in Wirklichkeit” nichts anderes als eine Schallwelle, die durch den Raum schwingt, und auf unsere Ohren trifft. Oder Geruch sei “in Wirklichkeit” nichts anderes als Moleküle, die durch den Raum in unsere Nase gelangen, wo sie an Rezeptoren andocken. Einem nicht-visuellen Phänomen, z.B. einem Ton oder einem Geruch, werden visuelle Eigenschaften unterstellt, z.B. die Eigenschaft im Raum verortbar zu sein. Vergleiche die Artikel zu Schall, Geruch, Geschmack (“Geschmack … ist der chemische Nahsinn”) bei Wikipedia.


Wie wird der Visuelle Reduktionismus begründet?

Dass man nicht-visuelle Phänomene, z. B. Töne, räumlich verorten kann, läßt sich Peter Strawson zufolge „hinlänglich erklären durch das Bestehen von Korrelationen zwischen den Verschiedenheiten, deren Geräusche von sich aus fähig sind, und anderen nicht-auditiven Eigenschaften unserer Sinneserfahrung.“[1] Als Begründung dient das Bestehen von Korrelationen. „Korrelation“ bedeutet vereinfacht gesagt, dass ein Zusammenhang besteht; dieser Zusammenhang kann stark (= hohe Korrelation) oder schwach sein (= niedrige Korrelation).

Beispielsweise besteht ein starker Zusammenhang zwischen dem Hören eines Tones und dem Sehen einer Lautsprechermembran: Immer wenn man sieht, dass die Membran schwingt, hört man einen Ton.

So kann man in einem Einführungsbuch in das Physikstudium lesen:

„Ein Lautsprecher erzeugt durch seine schwingende Membran Dichteschwankungen in der Luft mit einer bestimmten Amplitude (Lautstärke) und Frequenz (Tonhöhe).“ (Eichler, H./ Kronfeldt, H.-D./Sahm, J., Grundpraktikum, 2001, S. 122, Kursiv nicht im Original)

Die Membran wird als Ursache eines Tones gedeutet.

Diese Deutung scheint uns auch völlig selbstverständlich zu sein.


Kritik der Begründung des Visuellen Reduktionismus

Diese Deutung ist in zweierlei Hinsicht einseitig.

Erstens beweist eine hohe Korrelation zwischen A und B keinesfalls, dass A und B in einer Kausalbeziehung stehen, dass also A die Ursache von B (oder umgekehrt) ist. Es kann sein, dass eine solche Kausalbeziehung vorliegt, möglich ist aber auch, dass A und B die Wirkung einer gemeinsamen Ursache C sind.

Angenommen, es bestünde tatsächlich eine Kausalbeziehung zwischen A und B. Dann ist noch offen, was Ursache und was Wirkung ist: Ist A die Ursache von B oder B die Ursache von A?

Zweitens wird bei dieser Deutung davon ausgegangen, dass immer das Visuelle die Ursache, und das Nicht-Visuelle die Wirkung sei. Vergleiche das Zitat: „Ein Lautsprecher erzeugt durch seine schwingende Membran Dichteschwankungen in der Luft mit einer bestimmten Amplitude (Lautstärke) und Frequenz (Tonhöhe).“

Bei einer hohen Korrelation ist aber wie gesagt völlig offen, was Ursache und was Wirkung ist. Wenn eine hohe Korrelation zwischen einem visuellen und einem nicht-visuellen Phänomen besteht, dann sind grundsätzlich zwei Deutungen möglich: das Visuelle ist Ursache, das Nicht-Visuelle ist Wirkung. Oder das Nicht-Visuelle ist Ursache und das Visuelle ist Wirkung.

Möglich ist also auch, dass das Nicht-Visuelle die Ursache für das Visuelle ist; dass also der (gehörte) Ton die Ursache für das (gesehene) Schwingen ist.

Neben dem Visuellen Reduktionismus könnte man genauso gut einen Akustischen Reduktionismus vertreten (Alles Nicht-Akustische sei „in Wirklichkeit“ nichts anderes als ein Ton) oder die Gesamtheit unserer Wahrnehmungen auf einen anderen Sinn reduzieren.


Literatur

Eichler, Hans J./ Kronfeldt, Heinz-Detlef/Sahm, Jürgen/ Das neue phwsikalische [Grundpraktikum], Berlin u. a.: Springer, 2001

Strawson, Peter Frederick: [Einzelding] und logisches Subjekt (Individuals). Ein Beitrag zur deskriptiven Metaphysik, Stuttgart: Reclam, 1995

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